Imaginationsübungen für die Psychotherapie: Kostenlose Downloads

In den letzten Wochen habe ich mich mit PITT (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie) auseinandergesetzt, einem psychotherapeutischen Verfahren, welches Imaginationen nutzt. Imaginationen sind Phantasiebilder, idealerweise aus der inneren Welt des Patienten, in denen sich Ruhe und Sicherheit finden. Traumatisierte Menschen leiden oft unter Hypervigilanz: Geist und Körper befinden sich bei ihnen in einem ständigen Anspannungszustand. Gut angeleitete imaginative Verfahren helfen dabei, sich auf "Normalnull" herunter zu regulieren. Imaginationen sind aber mehr als reine Entspannungsverfahren, sie können ein mächtiges Mittel sein, um nachhaltig Ich-Grenzen zu stärken und weniger unter Flashbacks und anderen Traumafolgen zu leiden. Auch Patienten mit anderen Störungen profitieren von Imaginationen. Schmerzpatienten entlasten sie, bei strukturellen Störungen wirken sie stabilisierend und bei Angststörungen können sie helfen, überwältigende Gefühle zu regulieren. Sowohl Verhaltenstherapeuten als auch Tiefenpsychologen nutzen sie. Ihre Wirksamkeit ist gut belegt und sie sind bei Patienten generell beliebt.

Und trotzdem hatte ich lange einen gepflegten Dünkel gegenüber diesen Techniken. Das kommt wohl durch ihre Nähe zu Esoterik und dem therapeutischen Halbfeld, wo am Patienten teils übles Schindluder getrieben wird: In der Reinkarnationstherapie zum Beispiel wird versucht, Patienten mithilfe von Imaginationen in Verbindung zu ihren früheren Leben zu setzen, was dann irgendwie heilend wirken soll. Abseits solcher Spökenkiekerei findet man reichlich Traumreisen oder Phantasiereisen (was Unterarten von Imaginationen sind), die sich direkt an den Konsumenten richten. Auch als Einschlafhilfe für Kinder begegnen sie einem oft.

Was es weniger gibt, sind Vorlagen, die konkret für den therapeutischen Kontext geschrieben sind. Also Texte mit Hinweisen zur Indikation und Kontraindikation, mit Angaben dazu, bei welchem Patienten welche Übung passt und bei welchem nicht, mit Pausenmarkierungen für das Vorlesen in der Sitzung und Anregungen für die Nachbesprechung. Unsere “Bundles” versuchen, diese Lücke zu füllen. Das erste Bundle enthält Achtsamkeitsübungen, das zweite drei Übungen zum Aufbau eines sicheren inneren Ortes. Beide gehören zusammen: Achtsamkeit schult die Fähigkeit, innere Zustände wahrzunehmen, und der sichere Ort nutzt diese Fähigkeit, um einen inneren Rückzugsraum zu schaffen. Jedes Bundle hat eine klinische Einleitung für den Behandler und drei Varianten, damit man je nach Patient und Situation wählen kann. Der Klinische Leitfaden ordnet beides ein und sollte vorher gelesen werden. Alle drei Dokumente kannst du hier kostenlos downloaden.

Christoph Thamm

Christoph Thamm ist psychologischer Psychotherapeut (TfP). Seine Praxis ist in Berlin-Friedrichshain.

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